Rezension zu „Wenn der Keks redet, haben die Krümel Pause“ von Malte Pieper

Guten Abend liebe Leser,

nach einem langen „Lesekampf“ möchte ich euch heute ein Buch vorstellen, dass leider nicht meinen Vorstellungen entsprochen hat.

Das Buch fand den Weg in mein Regal durch eine Leserunde auf Lovelybooks. Die Rede ist von dem Buch „Wenn der Keks redet, haben die Krümel Pause“ von Malte Pieper.

Erschienen ist es im Rowohlt Taschenbuchverlag „rororo“. Mir fällt in diesem Moment auf, dass ich doch recht viele Bücher aus diesem Verlag habe, z.B. „Das Haus in der Löwengasse“ oder „Unearthly“. Warum auch nicht :-). Machen wir aber weiter im Text:

Vorab die wichtigsten Fakten zum Buch:
Art: Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2012
Seitenanzahl: 288
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499-62961-7

Cover
Das Cover des Buches ist in den Farben rot und weiß gestaltet. Es zeigt den Titel des Buches in einer großen Sprechblase die aus dem Mund eines Lehrers kommt. Dieser ist Bestandteil eines Klassenzimmers, in dem die abgebildeten Schüler verschiedenen Unfug treiben. Unten rechts befindet sich eine Zeichnung des Autors Malte Pieper. Es sieht so aus, als erklärt er die abgebildete Szene bzw. den Lehrer für verrückt.

Die Idee für das Cover finde ich gut. Allerdings gefällt mir die Umsetzung eher weniger. Es ist doch ein wenig zu kontrastarm oder auch nicht genug abwechslungsreich gestaltet. Mich hätte es im Laden wohl eher nicht angesprochen.

Inhalt
Wie man vielleicht schon am Titel oder auch Klappentext erahnen kann, befasst sich der Autor Malte Pieper mit der Schule und insbesondere mit seiner persönlich erlebten Schulzeit. Es werden sowohl die Lehrer, die Schüler, der Schulalltag, die Prüfungsphase als auch das Bildungssystem unter die Lupe genommen. Aufgelockert werden die einzelnen Abschnitte mit Karikaturen passend zum jeweiligen Thema.

Meine Meinung
Vorab kurze Info: Ich habe 2008 mein Abitur an einem Gymnasium im beschaulichen Thüringen gemacht. Ich bin keine Lehrerin oder ein Lehrerkind ;-), nur zur Vorsicht ^^

Die Schule dürfte für jeden Leser nicht gerade weltfremd sein. So wird man durch das Buch automatisch mit der eigenen Schulzeit konfrontiert und in die Lage versetzt, sich an das ein oder andere Detail zu erinnern. Das Buch startet mit dem Einschulungstest – damit hätte ich gar nicht unbedingt gerechnet. Außerdem stellt Malte Pieper drei seiner Freunde vor, die zwar immer wieder auftauchen, aber gegen Ende doch an Bedeutung verlieren.

Dargestellt wird der Inhalt in Form einer Aneinanderreihung verschiedener Anekdoten. Eigentlich erwartete ich wie viele Leser der Leserunde einen Handlungsbogen/Rahmenhandlung. Einige Leser erinnerte das Buch an ein Bühnenprogramm. Für mich war es einfach eine Reihe von mehr oder weniger kurzen Geschichten. Sprich kein Handlungsrahmen oder ähnliches!

Eigentlich soll der Leser zum Lachen gebracht werden. Allerdings konnte mich der Humor des Autors nur bedingt erreichen. Sicherlich gab es einige Stellen, an denen ich Schmunzeln oder Kichern konnte. Aber ein herzhaftes Lachen oder ein Lachflash blieb widererwartend aus. Das Buch regte mich sogar stellenweise auf. Ich kann logischerweise nur Vergleiche zu meiner eigenen Schulzeit ziehen, aber eine Rezension ist ja ohnehin immer einer subjektive Geschichte.

Meiner Meinung nach rechnete Malte ziemlich hart mit den Lehrern ab. Eigentlich waren die Lehrer durchweg als, ich sage jetzt einfach mal, „böse Menschen“ dargestellt, die in den Schülern ihre absoluten Feinde sehen. Das mag vielleicht auf den einen oder anderen Lehrer zutreffen, aber eine Verallgemeinerung finde ich völlig falsch am Platz – vielleicht habe ich es auch nur falsch aufgenommen? Fakt ist, dass es immer ein paar Nieten oder Tiefflieger unter den Lehrkräften gibt. Jedoch kann ich von meinen damaligen Lehrern nicht behaupten, dass das überwiegend der Fall war. Im Gegenteil, die meisten meiner Lehrer waren sehr kompetent – einige konnten den Lehrstoff nur nicht so rüberbringen, wie es notwendig gewesen wäre. Meine Schulzeit war jedenfalls definitiv nicht so grauenvoll, wie sie in diesem Buch aufgezeigt wurde. So viel dazu …

Ein weiterer Punkt der mich störte war, dass viele Situationen zu überspitzt dargestellt worden sind. Teilweise entzogen sie sich jeglicher Realität, was ich überhaupt nicht mehr witzig fand.

Den Sinn über die am Anfang vorgestellten Freunde konnte ich nicht erschließen. Teilweise haben sie mich extrem genervt. Ganz verstanden habe ich es darüber hinaus auch nicht, warum manche Zitate im Dialekt geschrieben waren. Okay es sollte vielleicht authentisch oder witzig wirken, aber ohne Hintergrundinformationen zu den Personen war es das eben nicht wirklich.

Ein letzter inhaltlicher Störfaktor war die angesprochene Kritik im Buch. Zwischendurch kritisierte der Autor immer wieder verschiedene Faktoren, z.B. die Ministerien, die Schulorganisation usw. Am Ende widmete er sich in einem Kapitel noch dem Bildungssystem zu. In vielen Kritikpunkten stimmte ich dem Autor voll und ganz zu, sie war also berechtigt. Allerdings passte diese Kritik für mich nicht so richtig in das Gesamtkonzept des Buches. Das hätte man vielleicht in zwei Teilen aufziehen müssen – also erst witzige Anekdoten, dann tiefgründige Kritik. Ich begründe das damit, weil die geäußerte Kritik nur oberflächlich angekratzt wurde, ohne dafür Beispiele oder ähnliches aufzuzeigen. Wenn ich als Autor kritisieren möchte, sollte ich das auch tiefgründig machen und mich mit dem Pro und Kontra auseinandersetzten sowie beide Seiten der Medaille beleuchten. Dies ist aber nicht geschehen. Für mich sah es deshalb so aus, als sei es lieblos dahingeschrieben obwohl doch so viel Wahrheit dahinter steckte.

Sprachlich war das Buch eher schlicht, einfach und teils umgangssprachlich gehalten. Leider waren einige Rechtschreibfehler dabei. Es wurden sogar ein paar Wörter vergessen – da haben wohl Autor und Lektor gemeinsam etwas gepennt (nobody is perfect!). Vom Lesefluss her war es stellenweise recht gut, teils sehr zäh und schleppend. Ich denke aber für Jugendliche ist es trotzdem ganz okay geschrieben.

Fazit
Alles in allem konnte mich das Buch nicht überzeugen. Auch wenn es hier und da lustig war, machte es den Unmut über andere Passagen nicht wett. Meine Lesemotivation verabschiedete sich schon nach den ersten 40 Seiten, so dass ich einige Stellen nur überflog. Die Idee selbst finde ich eigentlich ziemlich gut, aber die Umsetzung eher mangelhaft. Mit einem Handlungsrahmen hätte man da vielleicht mehr machen können.

Ich persönlich denke auch, dass der Autor das Buch vielleicht einfach zu früh geschrieben hat. Kurz nach meinem Abitur war ich auch heilfroh, dass es endlich vorbei war. Die Schule war ja sooooo schrecklich und schlecht – solche Gedanken hatte ich damals auch ;-). Ein Job ohne Bezahlung, wer macht so etwas schon? 😉 Aus jetziger Sicht (also reichlich 4 Jahre nach dem Abi) blicke ich anders auf meine Schulzeit zurück und erkenne, dass vieles genau richtig war. Ich musste mich regelrecht durch das Buch quälen, deshalb gibt es von mir nur eine Lilie.

Lilie1

Liebste Grüße,
Eure Lilienlicht

 

Das Copyright des abgebildeten Buchcovers liegt beim Rowohlt Verlag.

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