Rezension zu „Phantasmen“ von Kai Meyer

Eine lange Zeit habe ich mich vor dem Schreiben dieser Rezension gedrückt, aber nun komme ich einfach nicht mehr drum herum. Es geht um Kai Meyer’s Werk „Phantasmen„, welches im März 2014 bei Carlsen erschienen ist.

Phantasmen(c) www.carlsen.de

Inhalt

Eines Tages tauchen auf der Welt die Geister der Verstorbenen auf. Sie stellen sich als Lichtsäulen dar, die immer der Sonne zugewendet sind. Ausdruckslos verharren sie an den Stellen, wo die Menschen einst gestorben sind und vermehren sich über die Zeit immerzu. Eigentlich sind sie harmlos und leuchten nur vor sich hin. Eigentlich. Als die Geister  zu lächeln beginnen, bricht eine Welle des Todes über die Menschheit herein – die Smilewaves. Kurz bevor die Geister das erste Mal lächeln, befinden sich Rain und ihre Schwester Emma in Spanien. Ihre Eltern waren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen und würden dort in der Nacht als Geister erscheinen – die einzige Möglichkeit, sich von ihnen zu verabschieden. Auch der Norweger Tyler sucht den Absturzort auf, um von seiner großen Liebe Flavie Abschied zu nehmen. Als sich die Drei begegnen, nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Meine Meinung

„Phantasmen“ ist ein Buch, dass mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen hat. Obwohl die Story recht gut durchdacht und die Idee wirklich originiell ist, konnte mich Herr Meyer nicht vom Hocker reißen.

Rain ist als Protagonistin des Romans gleichzeitig die Ich-Erzählerin. Mit ihren roten Dreadlocks, Tattoos und einem Afrika-Trauma wirkt sie zunächst als sei sie ein interessanter Charakter. Allerdings bleibt sie während der Geschichte eher blass, so dass ich keine wirkliche Bindung zu ihr aufbauen konnte. Viele Situationen vergleicht Rain mit ihren Erlebnissen in Afrika, wofür sie extra eine Afrika-Skala entwickelte. Schade, dass diese Vergleiche für meinen Geschmack recht häufig vorkommen und mit der Zeit anstrengend werden.

Wesentlich vielseitiger ist Rain’s Schwester Emma, die am Asperger-Syndrom leidet. Obwohl sie zunächst unscheinbar daherkommt, entwickelt sie sich mit der Zeit weiter und gewinnt an Bedeutung. Mit ihr konnte ich mich schnell anfreunden.

Tyler mochte ich im Laufe der Geschichte sehr gern, wobei auch er eher farblos bleibt. Er ist ein Typ mit harter Schale und weichem Kern, aber so richtig berühren konnte er mich nicht. Genau so wenig die angedeutete Liebesgeschichte, die sich Herr Meyer meiner Meinung nach hätte sparen können.

Insgesamt empfinde ich eher die Randfiguren der Geschichte spannender als die Protagonisten Rain und Tyler.

Einen sehr großen Pluspunkt gibt es aber für die Story und die Idee, die hinter dem ganzen Gebilde steckt. Mit Voranschreiten der Geschichte erfährt man unter ständiger Spannung, was es mit den Geistern auf sich hat. Das so geschaffene Weltuntergangs-Szenario ist wirklich einzigartig und versetzt mich selbst heute noch ins Staunen. Einzig und allein das Ende ist etwas überzogen. Der Schluss wirkt, als hätte man ihn im Nachgang noch eingefügt, um dem Leser das zu geben was er gern lesen möchte. In meinen Augen war dieser Part überflüssig.

Fazit

Kai Meyer kreiert mit „Phantasmen“ ein spektakuläres Weltuntergangs-Szenario, das vor allem mit seiner außergewöhnlichen Idee im Kopf hängen bleibt. Dafür bleiben jedoch die Charaktere ziemlich auf der Strecke, wodurch es nicht so einfach ist, seinen Platz in der Geschichte zu finden. Auch das Ende und die angedeutete Liebesgeschichte wirken fehl am Platz. Dennoch bietet das Buch unterhaltsame Lesestunden, die zum Gruseln einladen.

Lilie1Lilie1Lilie1

Liebste Grüße,

 Eure Lilienlicht ♥

5 Kommentare

  1. Jessi sagt: Antworten

    Ich habe mich noch nie so recht an Kai Meyer herrangewagt, man hört doch immer gemischtes über ihn. 😉

    Ich folge dir jetzt mal. 😀

    Liebe Grüße
    Jessi
    http://jessireneleseratten.blogspot.de/

    1. Hallo Jessi,

      Phantasmen war quasi meine Kai-Meyer-Entjungferung. Es war definitiv mal was anderes und irgendwie ist das Buch lesenswert, auch wenn es nicht total begeistern kann. Gerade über die neueren Werke von Kai lese ich häufiger schlechte Rezensionen. Vielleicht muss man doch mal etwas älteres von ihm lesen.

      Danke fürs Folgen und deinen Kommentar. Ich schaue die Tage bei dir vorbei 😀

      Liebste Grüße,
      Diana

  2. Kata sagt: Antworten

    Huhu,

    über deinen Kommentar im Käkula auf Facebook bin ich auf deinen Blog aufmerksam und direkt Leserin geworden 🙂

    Phantasmen fand ich auch nicht das beste Buch von dem Autor. Ich hatte mir auch mehr darunter vorgestellt und fand es etwas schade. Der Ansatz war wirklich gut 🙂

    LG
    Kata

    1. Hey Kata,

      toll dass du meinen Blog entdeckt hast. Ich werde bei dir auch mal zum Stöbern vorbei kommen 😀
      Was Phantasmen angeht, kann man nur wirklich sagen: Schade, dass Kai Meyer diese grandiose Idee nicht optimal ausgenutzt hat!

      Danke für deinen Besuch!

      Liebe Grüße,
      Diana

  3. Wie schade, ich bin kurz davor mit „Seiten der Welt“ zu starten, bevor der zweite Teil „Nachtland“ hiervon erscheint. Ich hoffe, die zwei sind besser!

    Liebe Stöber-Grüße
    Tina

Schreibe einen Kommentar