Rezension zu „Kyria & Reb – Bis ans Ende der Welt“ von Andrea Schacht

Hallo liebe Leser,

immer noch bin ich voll im Dystopie-Fieber und horte so ziemlich alles was mir gefällt. Zu den gehorteten Dystopien gehört auch „Kyria & Reb – Bis ans Ende der Welt“ von Andrea Schacht, der 1. Teil einer neuen Dystopie-Reihe. Leider weiß ich gar nicht so genau, ob es nur eine Dilogie ist oder ob da noch mehr kommt! Bisher gibt es zumindest zwei Teile.

Die Meinungen zu Kyria und Reb gehen teilweise ziemlich auseinander. Das Buch habe ich im Buchladen beim Stöbern entdeckt und mitgenommen. Ich bin ohne große Erwartungen in die Geschichte eingestiegen, aber so 100 % zufrieden bin ich nicht. Kyria und Reb konnten mich erst gegen Ende mit ihrem Abenteuer überzeugen. Dazu aber später mehr.

„Kyria & Reb – Bis ans Ende der Welt“ von Andrea Schacht ist im Egmont INK Verlag erschienen – ein Verlag der wirklich ein tolles Angebot im Bereich der Jugendliteratur liefert und dessen Bücher ich mir gern ins Regal stelle!

Vorab die wichtigsten Fakten zum Buch:
Art: Gebunden (HC)
Erscheinungsdatum: 08.02.2012
Seitenanzahl: 381
Preis: 17,99 Euro
ISBN: 978-3-86396-016-2

Cover Kyria & Reb 1

Das Cover von „Kyria und Reb“ sticht sofort ins Auge – es war ein reiner Coverkauf über den ich doch sehr glücklich bin. Das überwiegend grün-bläuliche Cover besticht durch seine mystisch, geheimnisvolle Atmosphäre. Die pinken Blüten verleihen ihm das i-Tüpfelchen. Der darauf abgebildete Wald mit einer Art kleinen Siedlung in der Ferne lässt viel Raum zu Spekulationen über den Inhalt, lässt aber vordergründig auf eine Liebesgeschichte vermuten. Das Buch beinhaltet zwar eine Liebesgeschichte, allerdings läuft die eher parallel zur Geschichte .

Insgesamt gefällt mir das Cover richtig gut. Es hebt sich von den typischen Jugendbuch-Covern ab und überzeugt mit seiner Außergewöhnlichkeit auf voller Länge.

Inhalt
Kyrias und Rebs Geschichte spielt im Jahr 2125 im vereinigten Europa. Es heißt nun „NuYu“ – New Europe. NuYu unterliegt der vollständigen Überwachung: Die Menschen tragen Id’s mit denen sie von der Regierung geortet werden können. Ihre gesamte Identität ist auf diesem Gerät gespeichert, von Personalausweis, Führerschein über Geldkarte bis hin zu bestimmten Berechtigungen. In NuYu haben größtenteils die Frauen das Sagen – die Männer haben eher schlechte Karten.

Kyria ist gerade 18 geworden und muss wegen eines Hornnissenstichs, wie schon so oft in ihrem Leben, ins Heilungshaus. Dort beschließt sie in die Reservate zu reisen, denn diesem Geburtstagswunsch kam ihrer Mutter nicht nach. Reb lebt in der Sulcultura, dem Untergrund. Dort leben die Menschen in eher bäuerlichen Verhältnissen, denn sie haben sich von NuYu‘s Überwachung abgewandt. Als Reb nach einem Angriff im Heilungshaus landet, begegnen sich Kyria und er das erste Mal. Er hilft Kyria aus dem Krankenhaus zu verschwinden und nimmt sie mit in seine Welt. Damit beginnt für die beiden ein Abenteuer mit weitreichenden Erkenntnissen und Gefahren.

Meine Meinung
„Kyria & Reb – Bis ans Ende der Welt“ ist eine Dystopie mit einer innovativen Idee. Leider ist der Autorin die Umsetzung nicht perfekt gelungen, dennoch schafft sie es den Leser in den Bann zu ziehen – spätestens gegen Ende!

Und damit sind wir auch schon bei der Handlung. Die Idee und das System auf denen die Geschichte basiert sind spannend und interessant. Die Autorin schafft ein neues Europa, wie man es sich ganz gut vorstellen kann. Die Überwachung, insbesondere durch die Amerikaner, ist momentan ein aktuelles und heiß diskutiertes Thema. Wer kann sich nicht vorstellen, dass eines Tages alle Menschen strengstens überwacht werden? Ich find es zumindest nicht unwahrscheinlich und daher findet man sich schnell in NuYu zurecht.

Auch die Idee, dass die Frauen quasi die Herrschaft an sich gerissen haben ist facettenreich und bringt den Leser hin und wieder zum Schmunzeln. Das System ist des Weiteren durch eine strenge Gesundheitsüberwachung geprägt, so dass bestimmte Lebensmittel, wie z.B. weißes Mehl und Zucker, nur schwer zu bekommen sind. Die Gesellschaft ist in vier Schichten aufgeteilt: die Electi (der Adel quasi), die Civitas (Bürgerschicht), die Menschen die im Reservat leben und die Subcults (die Ausgestoßenen). Man braucht jedoch einige Zeit um das System richtig zu erfassen und zu erfahren, wie alles miteinander zusammenhängt.

Das was mich irritiert und irgendwie an der Idee an sich gestört hat, dass sich die Welt im Jahr 1975 aufgrund einer Epidemie neustrukturieren musste. Der Ursprung des Systems liegt damit in der Vergangenheit und da ich zu dieser Zeit noch nicht gelebt habe, kann ich mich nur schwer hineindenken. Ich habe es dann im Verlauf der Geschichte einfach akzeptiert und so stehen gelassen.

Der Spannungsbogen an sich bewegt sich recht müßig nach oben und fällt nach kleinen Höhen teilweise wieder schnell ab. Eine Spannung, die einen quasi aus den Socken haut, konnte sich zumindest bei mir nicht aufbauen. Die Ereignisse rauschen ein wenig am Leser vorbei, es fehlt dieses Gefühl, mittendrin zu sein und die Story hautnah mitzuerleben. Teilweise habe ich zwar sehr mit Kyria & Reb mitgefiebert, aber so richtig zufrieden war ich dennoch nicht. Erst gegen Ende wurde die Handlung dann komplexer und verstrickter und konnte mich richtig mitreißen. Das liegt nicht zuletzt an der Beziehung zwischen Kyria & Reb.

Kyria ist als Protagonistin ein wirklich toller Charakter, der mir schnell ans Herz gewachsen ist. Sie ist eine Electi und die Tochter der Wirtschaftsministerin, die als Kandidatin der Landesmutter antreten wird. Daher kennt sie nur die Gepflogenheiten ihres Standes. Ihre Mutter hat sie immer überbehütet. Sie bekam Privatunterricht und durfte nie verreisen. Das kommt jedoch nicht von ungefähr, denn Kyria leidet an einem Gendefekt, an dem ihr Vater gestorben ist. Die Flucht mit Reb zeigt ihr die anderen Seiten des Lebens. In den Subcults kommt sie aufgrund des bäuerlichen Lebensstils zunächst nur schwer zurecht, aber sie ist lernbereit und findet schließlich einigermaßen ihren Platz. Dadurch kann sie sich später auch im Reservat besser mit dem Lebensstil arrangieren. Kyria ist ein kluges Mädchen, sie ist sehr entschlossen und bereit für die Aufdeckung der Missstände in ihrem Leben bestimmte Risiken einzugehen. Hinter der Electi-Zicke, wie Reb sie gerne nennt, steckt also mehr als man glaubt und das macht sie zu einer sympathischen Protagonistin.

Reb gehört zu den Ausgestoßenen. Er hat gelernt das Leben so zu nehmen wie es kommt und kann ziemlich viel wegstecken. Klar, dass Kyria ihn mit ihrer anfangs weinerlichen Art ziemlich nervt. Allerdings fällt es ihm schwer Vertrauen zu anderen aufzubauen. Reb ist andererseits ziemlich von sich  überzeugt und ist sich seiner Wirkung auf Frauen durchaus bewusst. Da es ihm offensichtlich zu mühsam ist, sich die Namen seiner (potentiellen) Verehrerinnen zu merken, nennt er einfach alle Mädels Princess, was ich persönlich ja ziemlich cool finde xD. Generell trägt er sein Herz auf der Zunge und das macht ihn so sehr sympathisch! Harte Schale, weicher Kern, stimmt’s? Auch Rebs Fassade ist nicht undurchdringbar…

Anfangs hatte ich so meine Vorbehalte Reb gegenüber und war etwas misstrauisch, aber ich konnte seinem Charme und seiner Art, das Leben zu nehmen nicht lang widerstehen und bin ihm letztendlich auch erlegen.

Dann wäre da noch Ole MacFuga, ebenfalls ein Electi, der nicht dem Männerideal entspricht. Er hat lange Haare und einen muskulösen Körperbau. Er ist an Kyria interessiert und verbirgt ziemlich viel hinter seiner Fassade. So richtig anfreunden konnte ich mich mit ihm nicht, aber ich habe ihn akzeptiert.

Hazel, die Freundin von Kyria, lebt im Reservat und nimmt Kyria für eine Weile auf. Sie ist die typische beste Freundin und immer für Kyria da. Ich mochte sie von Beginn an. Auch ihre Familie ist ziemlich liebenswert!

Mehr möchte ich zu den Charakteren nicht erzählen.

Hinsichtlich des Schreibstils merkt man gewissermaßen, dass Andrea Schacht nicht Jugendbuchbereich zu Hause ist, sondern hauptsächlich historische Romane schreibt. Das ist nicht unbedingt negativ, aber manchmal wirkte er einfach etwas abgehackt. Mir hat es auch ein wenig an jugendlicher Leichtigkeit gefehlt. Nichtsdestotrotz lässt sich der Roman ganz gut lesen.

Die Erzählperspektive ist allerdings typisch für eine Dystopie – der Ich-Erzähler aus Sicht von Kyria.

Fazit
„Kyria & Reb – Bis ans Ende der Welt“ ist eine Dystopie mit einer innovativen Idee. Der Fokus ist auf Kyria und ihr Abenteuer im Reservat gerichtet, die eigentlichen Missstände des Systems rücken erst nach und nach in den Vordergrund. Die Geschichte bietet sehr viele Facetten mit tiefgreifenden Problemen (z.B. Überwachung, Emanzipation, Ernährung), die der Leser Schritt für Schritt erfassen muss. Insgesamt ist es eine recht anspruchsvolle Dystopie, die es durchaus schafft den Leser in seinen Bann zu ziehen, auch wenn dies erst gegen Ende des Geschehens eintritt.

Lilie1Lilie1Lilie1

Liebste Grüße,
Eure Lilienlicht

 

 

Die Urheberrechte am Cover bleiben unberührt. Sie liegen bei dem Egmont INK Verlag.

6 Kommentare

  1. Like this! ; )
    Ich bin auch voll im Dystopie-Wahn und mein SuB wächst und wächst.
    Das Buch steht auch auf meiner Wunschliste. Aber nicht mit Priorität. Und jetzt wandert es wohl erstmal weiter nach hinten…
    Schönen Abend und viele Grüße, SaCre

    1. Du bist immer so fix Sabrina <3

      Also an und für sich ist Kyria und Reb keine schlechte Dystopie, aber mich konnte sie einfach nicht so begeistern wie viele andere Leser. Den zweiten Band habe ich am Sonntag beendet. Der hat mir um einiges besser gefallen, auch wenn er so ein paar Schwachstellen hatte. Ich denke es gibt weitaus bessere Dystopien, aber immerhin ist diese hier von einer deutschen Autorin 😀

      Dir auch noch einen schönen Abend <3

  2. Huhu!
    Mit den auslösenden Ereignissen, die in der Vergangenheit liegen, hab ich auch leichte ‚Probleme‘ beim Hineindenken. Denn immerhin müsste dann unsere Gegenwart schon anders sein…

    Es war übrigens ursprünglich eine Trilogie geplant, soll aber nun wohl bei zwei Bänden belassen werden. 🙂

    Auch beim Stil muss ich dir zustimmen, irgendwie ist er ‚anders‘. Insgesamt konnte mich das Buch aber ein klein wenig mehr überzeugen als dich. Liest du weiter?

    Glg
    Steffi

    1. Hallo liebste Steffi 😀

      Jaa, das mit der Epidemie war echt merkwürdig. Habe mich am Anfang immer ein wenig darüber aufgeregt, aber der Mensch ist schließlich ein Gewohnheitstier. Akzeptieren und fertig!

      Och eine Trilogie sollte es also werden. Frau Schacht sollte es bei dem Zweiteiler belassen. Den zweiten Band habe ich auch schon gelesen, der hat mir besser gefallen. Die Rezension dazu muss ich die Tage bzw. nächste Woche unbedingt noch schreiben!

      Insgesamt ist die Reihe ja nicht schlecht, nur den zündenden Knall gab es bei mir leider trotz allem nicht. Aber immerhin ist Band 2 wesentlich besser, auch wenn mich da auch das ein oder andere manchmal gestört hat. Das war aber weniger tragisch.

      Ganz liebe Grüße,
      Diana

    2. Sehe ich auch so… Und INK und/oder die Autorin wohl auch. Glaub nicht mehr, dass noch etwas nachkommt… Ich fand Band 2 nicht so gut wie 1 😮

    3. So unterschiedlich sind die Geschmäcker 😀

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