Rezension zu „Endless Life – Der Weg des Unsterblichen“ von Anne Lück

Vor einiger Zeit gab es das eBook „Endless Life – Der Weg des Unsterblichen“ von Anne Lück günstig auf Amazon zu erstehen. Da ich sowohl Cover als auch Klappentext als sehr ansprechend empfand, landete es schnell auf meinem Reader. Es ist der erste Teil einer Trilogie.

endless life

(c) Edition Octopus

 

Inhalt

Die Welt ist nicht mehr, wie sie einst war – Bewacht und regiert von den „Engeln“, wie sie von den Menschen genannt werden, hat sich das Leben aller verändert. Eigentlich sind sie „nur“ fast unsterbliche Wesen und schützen ihre „Kinder“ vor den Dämonen. Der Kontakt und Handel zu diesen Wesen ist den Menschen strengstens untersagt und jeder Verstoß wird geahndet. Niemand hinterfragt die Bestimmungen der Engel, denn sie sind schließlich nicht nur die Retter der Welt, sondern sehen auch unverschämt gut aus. Niemand … außer Noélia, die von ihren Freunden nur Noé genannt wird.

Noé hat seit 10 Jahren einen Dämon zu besten Freund und genau diese Freundschaft, soll ihr noch zum Verhängnis werden.

Meine Meinung

Allen voran – die Idee hinter der Geschichte hat mich wirklich überzeugt, denn sie hat viel Potential, welches die Autorin leider nicht optimal ausgeschöpft hat. Zentrale Thematik ist die Starrheit der Menschen, das Schwarz- und Weißsehen einer Welt.

Gleich zu Beginn der Handlung lernen wir die 15 jährige Noé kennen, die sich mit ihrer besten Freundin Monja (kurz Moni) über die letzten Vorfälle mit Dämonen unterhält. Schnell lernt man die Welt sowie die Strukturen der Regierung kennen. Die Menschen vergöttern regelrecht die Engel und folgen ihnen bedingungslos. Noé gehört jedoch nicht zu den Fanatikern – ganz im Gegenteil. Sie ist skeptisch und hinterfragt die Engel in ihrem Handeln. Sie sieht die Engel als Quelle des Übels – logisch, wenn man seit 10 Jahren mit einem Dämon befreundet ist.

Die Handlung dümpelt vor sich hin, bis sich wirklich etwas Spannendes tut. Der erste spannende Moment (in Kapitel 5) geht sehr schnell vorüber und ich hatte den Eindruck, dass hier fix etwas abgehandelt werden sollte. Und dies zog sich im Laufe der Geschichte fort. Etwa ab der Hälfte des Buches überschlagen sich die Ereignisse, Meinungen werden in Windeseile gebildet, obwohl der Standpunkt bisher doch ein ganz anderer gewesen ist. Das Ende ist ein ziemlicher Showdown, der fast ein wenig zu dramatisch daherkommt.

Einen Plupunkt gibt es für die witzigen Dialoge zwischen Noé und Azriél sowie die Tatsache, dass es keine kitschige Liebesgeschichte gibt. Aber ich wurde während des Lesens das Gefühl nicht los, dass irgendetwas in der Luft liegt…

Noé wirkt im ersten Moment als eine sehr reife Protagonisten, vor allem für ihr Alter. Das System in diesem Alter, trotz der ganzen Fanatiker zu hinterfragen, kommt natürlich nicht von ungefähr – dieses Geschenk lehrte ihr ihr Vater bis zu seinem Tod. Und auch die Freundschaft zu Azriél, dem Dämon, ist daran nicht unbeteiligt. Als Noé dann auf Nero, einen Unsterblichen trifft, beginnt sich ihre Meinung über die Unsterblichen zu ändern. Für meinen Geschmack lässt sie sich aber viel zu schnell dazu hinreißen, Nero Dinge anzuvertrauen, die er (noch) nicht unbedingt wissen müsste. Das ist mir persönlich ein wenig Naivität zu viel auf einen Haufen und passt meiner Meinung nach nicht so richtig zu ihrem Charakter.

Azriél mag ich von allen Charakteren am meisten. Leider bekommt er sehr wenig Aufmerksamkeit im Laufe der Geschichte, so dass er mehr wie eine Randfigur wirkt. Er besitzt einen ausgeprägten Sarkasmus, was nicht nur zu witzigen, frechen Dialogen führt, sondern auch sein dämonisches Wesen unterstreicht. Dennoch wirkt er (letztlich auch aufgrund der Freundschaft zu Noé) nicht wie ein durch und durch böser Dämon, selbst wenn man das stellenweise denken könnte. Das größte Problem auch hier bei ihm: Er ändert seine Meinung zu einem bestimmten Thema viel zu schnell. Das passt leider überhaupt nicht zu ihm oder gar zu einem Dämon.

Nero, der Sohn des Anführers der Engel, kommt nur mit einem Ziel in die Menschenwelt: sie vor den Dämonen zu schützen. Er wurde seit der Kindheit darauf trainiert, Dämonen zu töten und das will er in die Tat umsetzen. Nur leider ist das gar nicht so einfach, wie er feststellen musste. Sein wichtigstes Ziel über eine große Zeitspanne hinweg ist es, Azriél zu töten. Auch er muss irgendwann seine Sicht der Dinge anpassen … wieder zu schnell für meinen Geschmack.

Insgesamt wirken die Charaktere in ihrer Grundidee zwar sehr gut erdacht, allerdings wurden sie nicht konsequent ausgearbeitet und sind damit wenig authentisch. Ihnen fehlt die Zeit sich zu entwickeln.

Daran kann leider auch nichts der lockere Schreibstil der Autorin sowie die wechselnde Erzählperspektive aus Noés und Neros Sicht etwas ändern.

Fazit

Mit „Endless Life – Der Weg des Unsterblichen“ schafft Anne Lück ein spannendes Weltenkonstrukt mit einer sehr interessanten Thematik, die den Leser zu fesseln weiß. Allerdings gelingt es ihr nicht, sowohl Handlung als auch Charaktere authentisch umzusetzen. Aus einer langsam anlaufenden Geschichte entwickelt sich ein wahres Feuerwerk der Ereignisse, welches teilweise einfach irritiert. Die Geschichte ist eine nette Lektüre für zwischendurch und den Folgebänden kann man durchaus eine Chance geben.

 

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