Hörbuch-Rezension zu „Dustlands – Die Entführung“ von Moira Young

Ich freue mich sehr, dass ich Euch heute wieder ein Hörbuch, dieses Mal aus dem der Hörverlag, vorstellen darf: „Dustlands – Die Entführung“ von Moira Young. Es handelt sich um den ersten Teil einer Endzeit-Trilogie. Die gekürzte Lesung wird von Laura Maire vorgetragen. Das dazugehörige Buch ist in der Verlagsgruppe S. Fischer Verlag (FJB) erschienen.

Dustlands 1(c) der Hörverlag / Random House

Inhalt

Saba ist 18 Jahre alt und lebt gemeinsam mit ihrem Vater, ihrem Zwillingsbruder Lugh und ihrer 9-jährigen Schwester Emmi abgeschieden am Silverlake. Die Welt ist nicht mehr das, was sie einst war. Technischer Fortschritt ist ein Fremdwort, es gilt in der vielerorts unfruchtbaren Gegend zu überleben und das Beste aus seiner Situation zu machen. So versuchen auch Saba und ihre Familie in der kargen Gegend am Silverlake den Sandstürmen zu strotzen und so gut es geht über die Runden zu kommen.

Als eines Tages 4 Tonton-Reiter kommen um Lugh zu entführen und dabei den Vater der Kinder töten, bricht für Saba eine Welt zusammen. Noch nie war sie von Lugh getrennt. So schwört sie ihn zu finden und macht sich auf den Weg. Ein ungern gesehener Begleiter ist Schwester Emmi, die für Saba nur ein Klotz am Bein ist, den sie so gar nicht ausstehen kann.

Meine Meinung

So ein Endzeit-Roman ist in meinen Augen mal wieder ein wenig Abwechslung in der Flut an Dystopien und klassischen Jugend-Liebesgeschichten.

In „Dustlands – Die Entführung“ steht weniger die Welt und die Frage warum sie so geworden ist im Vordergrund, sondern einzig und allein Saba, die nur ein einziges Ziel verfolgt: Lugh aus den Armen der Tonton zurückzuholen. Dennoch ist es interessant, kurz einen Blick auf das Weltbild zu werfen:

Die Geschichte spielt in einer zukünftigen Welt, die von einem König mehr unterworfen als regiert wird. Er steuert die Menschen mithilfe einer Droge und überlässt die meisten ihrem Schicksal. Es gibt einige Städte und überwiegend Siedlungen, aber kein Recht, so dass Gewalt- und Straftaten zum Weltbild gehören, wie die Luft zum atmen. Jeder ist also auf sich allein gestellt.

In diese raue Welt bricht Saba auf und macht schnell Bekanntschaft mit den Gefahren, die sie hervorbringt. Ihre kleine Schwester Emmi kann sie überhaupt nicht ausstehen, denn ihre Mutter starb bei Emmi’s Geburt. Seit dem hatte sich das Leben der Familie schlagartig geändert. Damit kam Saba nie wirklich zurecht.

Saba stand immer im Schatten ihres Bruders, den sie regelrecht vergöttert. Sein Wort ist ihr Gesetz, kein Wunder also, dass sie sich nichts sehnlicher wünscht, als ihren Bruder wieder bei sich zu haben. Die unbarmherzige Welt, die sie auf dem Weg zu ihrem Ziel kennenlernt, verändert Saba. Sie lernt mit ihr umzugehen und macht sich ihre Fähigkeiten zu Nutze, die sie immer mehr ausbauen kann. Trotz all der Grausamkeiten, die sie miterleben muss, verliert sie nie ihren Kampfgeist, wächst über sich hinaus und lernt dazu noch Freunde kennen, die ihr treu zur Seite stehen. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten mit Saba warm zu werden, denn ihre eigenbrötlerische Art und die Abneigung ihrer Schwester gegenüber, machten es mir schwer, sie zu mögen. Doch meine Sympathie wuchs mit ihrer Charakterentwicklung und so wurden wir ein gutes Team!

Zu Sabas Freunden gehört eine Gruppe von Rebellinnen, die viele starke Frauen vereint. Sie haben allesamt ihren eigenen Kopf sowie Ecken und kannte. Man muss sie einfach irgendwann mögen.

Zu jedem Young Adult Roman gehört eine Liebesgeschichte. Diese hier kann absolut überzeugen, denn von Kitsch gibt es keine Spur. Sie verläuft eher so nebenher, ohne eine zu große Rolle einzunehmen. Jack, dem Saba in Hopetown begegnet, macht nicht wirklich einen Hehl daraus, dass sie ihm gefällt. Allerdings kann die sture Saba nicht gut damit umgehen und bleibt eigenbrötlerisch. Jack beißt sich an dem Mädchen fast die Zähne aus und das ist herrlich mit anzusehen.

Insgesamt mag ich diese, nennen wir es, schroffe Atmosphäre. Sie verleiht der Geschichte einen ganz eigenen Charme. Dazu trägt vor allem die Lesung von Laura Maire bei, auch wenn ich mich anfangs daran gewöhnen musste. Ihr gelingt es meiner Meinung nach nicht immer, einzelnen Charakteren mit ihrer Stimme eine persönliche Note zu verleihen, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch.

Wo wir beim gewöhnen sind: Der Schreibstil von Moira Young ist definitiv so eigen wie Saba. Sie lässt die Geschichte von Saba selbst erzählen, bedient sich dabei oft abgehakten Sätzen und keiner wörtlichen Rede. Außerdem ist das Buch sehr umgangssprachlich geschrieben, so dass oft Endungen verschluckt werden, was mich zu Beginn wirklich lang irritierte. Erst mit der Begründung, dass der Schreibstil Sabas Welt, in der nur wenige lesen und schreiben können, widerspiegeln soll, konnte ich mich darauf einlassen.

Darüber hinaus fehlte es mir in der ersten Hälfte des Buches an mitreißender Spannung, es hat einfach gedauert, bis ich damit warm geworden bin. Aber spätestens ab der zweiten Hälfte war ich voll dabei und hellauf begeistert! Das Ende ist sehr spannend und dramatisch. Es ist in sich geschlossen, lässt aber genügend Fragen für den nächsten Teil offen.

Fazit

„Dustlands – Die Entführung“ von Moira Young ist der Auftakt einer spannenden Endzeit-Trilogie mit einer starken, wenn auch eigensinnigen Protagonistin. Die Geschichte überzeugt mit originellen Charakteren und einer spannenden Handlung, die genau die richtige Portion Brutalität und Liebe vereint. Einzig und allein der Schreibstil ist eigen, so dass man sich darauf einlassen muss um richtig in diese Welt eintauchen zu können.

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Ich danke dem der Hörverlag recht herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Liebste Grüße,

Eure Lilienlicht ♥

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