[Gast-Rezension] „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ von Lauren Oliver

Unter diesem Titel kann man sich vielerlei vorstellen, entsprechend hoch sind vermutlich auch die Erwartungen an das Buch. Mir ist es gerade wegen des Titels aufgefallen, allerdings bin ich ein wenig zwiegespalten, was die Namensgebung des Buches angeht. Dazu später mehr, nun erst einmal zum Inhalt.

Lauren Oliver

(c) Carlsen Verlag (wenn ihr auf das Bild klickt, gelangt ihr direkt zum Buch)

Samantha „Sam“ Kingston gehört zur beliebtesten Clique, bestehend aus Lindsay, Elody und Ally. Sie wird von vielen bewundert und ist seit einigen Monaten mit dem Mädchenschwarm der Schule zusammen. Alles scheint bestens, zumindest bis zum 12. Februar. Dies ist der Tag, der ihr Leben verändern soll und um den es überhaupt geht. Sam erwacht in ihrem Elternhaus, um sie herum sind ihre Eltern und ihre kleine Schwester Izzie. Doch es dauert nicht lang, bis die nächste Protagonistin auftaucht: Sams beste Freundin Lindsay. Auch sie ist beliebt und wird gleichermaßen von den anderen Mädchen der Schule gefürchtet. Die 4 Freundinnen fahren jeden Tag gemeinsam zur Schule, wie auch an diesem Tag. Es ist ein besonderer Tag: Es werden Rosen verteilt, denn es ist Valentinstag und es gibt einen Wettstreit: Wer die meisten Rosen bekommt, ist die beliebteste Person der Schule.

Die 4 Freundinnen werden gleichermaßen geliebt und gefürchtet, wenn nicht sogar von einigen gehasst. Wir begleiten sie durch den Schulalltag und erleben dadurch, wie fies/nett sie zu ihren Mitschülern sind. Abends machen sie sich für eine Party zurecht. Auf dieser geht etwas gewaltig schief, was sich aber erst im Laufe des Buches herausstellt. Als die Freundinnen spät nachts wieder auf dem Weg nach Hause sind, passiert es: Sie werden von entgegenkommenden Scheinwerfern geblendet, müssen etwas auf der Straße ausweichen und prallen gegen einen Baum. Sam, die vorne als Beifahrerin sitzt, ist tot. Mit diesem Ereignis endet der Tag und Sam erwacht erneut am 12. Februar.

Sam erlebt diesen Tag genau 7 Mal in verschiedenen Varianten, denn sie versucht zu überleben. Kleine Änderungen führen zu anderen Abläufen und einem etwas anderen Tagesabschluss, allerdings nicht zu dem, der für Sam bestimmt ist. Das endgültige Ende war für mich dann doch überraschend.

Wie eingangs geschrieben, bin ich bei dem Titel und meiner Erwartung etwas zwiegespalten. Ich hatte jetzt damit gerechnet, dass Sam im Krankenhaus liegt und mit dem Tode ringt und man auch ihre Kindheit oder andere Ereignisse erlebt. Nun ist es so, dass Sam den Albtraum schlechthin erlebt. Sie steht 7 Mal am selben Tag auf und weiß, dass keiner sich an die anderen Male erinnern kann. Alle vorher erlebten „12. Februar“ haben keinen direkten Einfluss auf den nächsten. Einzig und allein Sam kann sich an jede Kleinigkeit erinnern und das macht es auch so schwer. Mir tat sie am Ende wirklich leid, sie hat alles versucht, ihrem Leben, ihrem letzten Tag einen guten Sinn zu geben, vieles besser zu machen und anderen zu helfen.  Dieser Roman regt aber auch zum Nachdenken an. Was würde man selbst tun, wenn man wüsste, dass es der letzte Tag ist? Würde man etwas verändern? Was möchte man noch erleben? Wem noch was Wichtiges sagen? Man überdenkt vielleicht auch die ein oder andere Tat. Gesagtes kann für uns eine kleine oder sogar gar keine Bedeutung haben, für denjenigen, mit dem man gesprochen hat, ist es vielleicht anders und es bewegt ihn zu Taten, die er unter anderen Umständen nicht begangen hätte. Das hat mich auch bei diesem Buch beschäftigt, denn die Unfallursache steht schon früh fest und ich habe mich hin und wieder während des Lesens gefragt, was wohl alles Schreckliches im Leben dieser Personen passiert sein muss, dass es scheinbar nur diesen einen Ausweg gibt. Es macht einem vielleicht auch bewusst, sorgfältiger auf seine Wortwahl zu achten. Ein guter Roman, der sehr leicht zu lesen ist und einen ernsten Hintergrund hat. Als Zielgruppe würde ich hier vorwiegend die Jugend sehen, denn dieses Thema ist in dieser Zeit leider alltäglich. Ich habe es aber dennoch gerne gelesen, auch wenn ich nicht zur Zielgruppe gehöre und freue mich jetzt schon auf das nächste Buch der Autorin und hoffe, dass es mich genauso begeistern und vielleicht auch zum Nachdenken bringen wird, wie „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“.

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(c) Martina

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