[Gast-Rezension] „Der Sarg“ von Arno Strobel

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(c) S. Fischer Verlage

Stell dir vor, du wirst nachts wach und um dich herum ist nur Dunkelheit. Jetzt stell dir weiter vor, dass du dich aufrichten und das Licht anschalten möchtest. Es gelingt dir  nicht, dich aufzurichten. Schon nach ein paar Zentimetern stößt dein Kopf auf etwas Hartes. Du tastest mit deinen Händen nach links und rechts und fühlst in unmittelbarer Nähe Wand und Seide. Mit einem Mal wird dir schlagartig bewusst, dass du in einem Sarg liegst und niemand deine Schreie hören wird.

Eine absolute Horrorvorstellung. Schon beim Lesen des Klappentextes lief mir ein kalter Schauer über den Rücken – und das an einem warmen Junitag. Ich stellt mir einen kurzen Moment dieses Horrorszenario vor. Ich konnte es nicht lange, denn es ist wahrhaftig einfach gruselig.

Diesen Albtraum erlebt Eva Rossbach in Arno Strobels Psychothriller „Der Sarg“. Sie wacht mitten in der Nacht auf und kann ihre sonst sofort erkennbare Umgebung, wie z. B. die Leuchtziffern ihres Weckers nicht erkennen. Sie versucht sich aufzurichten, tastet mit den Händen um sich und stellt in größter Panik fest, dass sie in einem Sarg liegt. Verzweifelt versucht sie den Deckel zu öffnen, vergebens. Dann plötzlich kippt sie nach hinten und erwacht in ihrem Bett. Nur ein böser Albtraum. Oder nicht? Wenn es ein Albtraum war, wo kommen dann die Schmerzen in ihren Händen her? Und die blauen Flecke?

Die Figur Eva Rossberg ist Inhaberin der Rossbach Maschinenbaubetriebe, die sie von ihrem Vater nach dessen Tod geerbt hat. Allerdings hat sie die Leitung einem langjährigen Freund ihres Vaters übertragen, dieser hat die Firma mit aufgebaut. Eva lebt sehr zurückgezogen in einem gehobenen Kölner Viertel. Nur selten verlässt sie das Haus und Privates vertraut sie nur ihrer Freundin Wiebke an, die zugleich ihre einzige Freundin ist, denn sie vertraut nur wenigen.

Am Tag ihres Albtraumes stehen zwei Kripobeamte, Bernd Menkhoff und Jutta Reithöfer, vor ihrer Tür und berichten ihr vom Tod ihrer Halbschwester Inge. Gefunden wurde sie in einem Sarg – lebendig begraben. Auch wenn das Verhältnis zwischen den beiden Geschwistern nicht das Beste war, so ist die Nachricht über die genauen Todesumstände ihrer Halbschwester ein Schock für Eva. Hatte sie vergangene Nacht etwa nur eine böse Vorahnung gehabt und hat nicht sie nicht in einem Sarg gelegen? Oder etwa doch? Den Beamten erzählt sie von ihrem Albtraum nichts. Zu groß ist ihre Angst, man könne sie für verrückt halten. Diese Entscheidung soll sich als großer Fehler erweisen.

Der Schreibstil ist locker und einfach, dennoch von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Durch die mühsame Ermittlungsarbeit der beiden Beamten, die durch die viele Geheimniskrämerei der Beteiligten erschwert wird, erfährt de Leser erst das ganze Ausmaß um die Person Eva.

Und dies fand ich am Ende mehr als grausam. Mehrmals hatte ich Gänsehaut, als ich versuchte mich in die Frauen hineinzuversetzen. Zwischendurch war ich etwas enttäuscht, weil ich glaubte, die Auflösung zu kennen, die für mich absolut nahe lag. Doch gerade auf den letzten 150 Seiten passiert so viel, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und wurde von der Auflösung echt überrascht. Nichts ist so, wie es scheint.

Das Zusammenspiel der beiden Beamten war auch sehr harmonisch untereinander und mir auf Anhieb sehr sympathisch. Man erfährt etwas mehr über Menkhoff, der geschieden ist und eine Tochter hat, die bei ihrer Mutter in Aachen lebt. Er wurde nach einem schweren Fall dort nach Köln versetzt. Einige Kollegen in Köln trauen Menkhoff nicht über den Weg und sind überrascht, als der Chef Menkhoff die Leitung des brisanten Falls überträgt. Viel erfährt man nicht über ihn. Über Jutta Reithöfer nichts Privates. Für mich ist das nicht weiter schlimm, denn so konzentriert sich die Handlung auf das Wesentliche, ohne mögliche Dramen und Liebeleien der ermittelnden Polizisten. Das fand ich ganz erfrischend.

Im Verlauf des Buches gibt es eine kurze Erwähnung über „Das Wesen“. Dies ist ein weiteres Buch von Arno Strobel und ich nehme an, dass wir in diesem mehr Privates über Menkhoff und über seine Versetzung nach Köln erfahren werden. Es ist aber nicht wichtig, dieses Buch vorher zu lesen, man kann der Handlung von „Der Sarg“  ohne weiteres folgen.

Ich hatte zuvor „Schlusstakt“, ein Jugendthriller von Arno Strobel gelesen und war von der angenehmen und spannenden Schreibweise  begeistert, weshalb ich mir „Der Sarg“ gekauft habe. Noch während des Lesens kaufte ich mir noch zwei weitere Bücher von ihm, denn spätestens nach diesem gruseligen Thriller hier, hat Arno Strobel mich mit seinem Können voll und ganz überzeugt.

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(c) Martina

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2 Kommentare

  1. Hi Martina,
    ich hab auch beim Lesen deiner Rezension eine richtige Gänsehaut bekommen! Bisher habe ich recht wenige Thriller gelesen, weil ich ein bisschen sensibel bin, was Blut, Gewalt und Splatter angeht, aber hier hört es sich echt so an, als wäre das wirklich eher psychischer Grusel. Korrigier mich, wenn ich falsch liege. 😀 Es landet auf der Wunschliste!

    Liebe Grüße,
    Cindy

    1. Martina sagt:

      Hallo Cindy,

      es freut mich, dass ich dir das Buch ein wenig schmackhaft machen konnte 🙂

      Es ist zwar ein Thriller, aber es spritzt jetzt kein Blut. Hier wird eher Wert auf den Gruselfaktor und auf die eigene Vorstellungskraft gelegt.

      Das fand ich auch ganz gut, dass es mal ein etwas anderer Thriller war. Lesen kann ich so etwas gruseliges schon, aber gucken wird schwierig 😀

      Liebe Grüße
      Martina

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